24. März 2011  

18.03.2011 – Tahrir Platz – Kundgebung der NO Bewegung

Nach der Veranstaltung mit Amr Hamzawy gingen wir einen Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen. Freunde fragten ob wir Interesse hätten am Nachmittag noch zu einer Veranstaltung mit Tahani El Gibaly, der einzigen Gerichtspräsidentin in Ägypten zu gehen. Die Alternative war der Tahrir Platz. Ich muss zugeben, als guter deutscher Revolutionstourist wollte ich unbedingt noch Freitags zum Tahrir Platz und so begleiteten mich drei Freunde dorthin.

Wir tranken unseren Kaffee aus, stiegen zu viert in ein Taxi und fuhren über die Brücke des 6. Oktober in Richtung des Kairoer Museums. Unterwegs erklärten mir die Freunde was wann wo passiert sei, an dieser Stelle habe die Polizei am 27. Januar massiv mit Schlagstöcken und Tränengas angegriffen. Es gab auch Tote. An jener Stelle sind die Kamel- und Pferdereiter, die angeblichen Pro-Mubaraks, am 2. Februar in die Demonstration geritten und haben die Revolution angegriffen. Und dort ist das Gebäude der NDP. Ich schaute auf einen schwarzen, ausgebrannten Komplex. Mir wurde klar, nicht zum ersten Mal, dass die Ereignisse sich überschlagen haben. Das brennende NDP Gebäude hatte ich total vergessen. Natürlich, Mubarak ist erst vor fünf Wochen zurück getreten, die Revolution begann erst vor siebeneinhalb Wochen. Und was war seit dem alles geschehen?

 

Die Ereignisse in Ägypten hatten sich überschlagen, die Ereignisse auf der Welt hatten sich überschlagen. Wenn Zeit die Folge von Ereignissen ist, dann musste der 25. Januar Monate zurück liegen. Tat er aber nicht. Nicht einmal zwei.

 

Wir standen im Stau. Das heißt wir standen wirklich. Das erste Mal in Kairo standen wir. Meine Freunde beschlossen auszusteigen und über die Straße den letzten Kilometer zu laufen. Beschlossen, gesagt, getan. Schon beim Aussteigen hörten wir Parolen und sahen Transparente. Kairo ist laut, auf die Entfernung etwas zu hören, erstaunte mich.

Wir überquerten eine mehrspurige Straße und sahen rechts von uns eine kleine Gruppe Demonstrierender. Vor uns war ein Meer von Transparenten und Fahnen. Lautsprecher waren aufgebaut, Redebeiträge wurden gehalten und Parolen gerufen. Links von uns eine weitere Demonstration, ebenfalls mit Lautsprecheranlagen. Alle gehörten zur NO Kampagne. Ob die Kundgebungen von unterschiedlichen Gruppen waren erschloss sich mir nicht, warum die Menschen so über den Platz verteilt waren, ist mir immer noch unklar. Das macht das ganze extrem schwer zu schätzen. Große Menschenmengen zu schätzen ist sowieso eine Kunst für sich und ich bin da ein sehr schlechter Künstler, aber wir einigten uns auf irgendetwas zwischen vermutlich 10 und 15 Tausend. Vielleicht aber auch das Doppelte oder nur die Hälfte.

Im Getümmel zu bewegen war interessant, Menschen aller Bevölkerungsgruppen, häufig die „United“ Embleme, neben ägyptischen vor allem libysche Fahnen. Menschen die parolen riefen, neben Menschen die Picknick machten. Straßenhändler die alles andere als aufdringlich waren.
Ständig hörte ich „Welcome in Egypt“ und „Where are you coming from?“ Freundlichkeit und Lächeln überall. Auch in den Uniformen. Es war relativ viel Militär anwesend. In erster Linie haben sie Reihen gebildet um die Demonstrierenden vom noch fließenden Straßenverkehr zu schützen. Sie haben aber auch von mindestens einem Hochhaus aus gefilmt.
Mindestens einen Soldaten habe ich gesehen, der einmal kurz eine Parole mit rief, erstarrte, sich umschaute und wieder seinen Dienst machte, rumstehen, ernst schauen, zwischendurch Leute anlächeln und aufpassen das niemand unter die Räder kommt.

Wir besuchten noch im Anschluss eine Veranstaltung an der amerikanischen Universität. Hier sollten Menschen im Monitoring der Wahlen für den nächsten Tag geschult werden. Im Hörsaal saßen ca. zwei- bis dreihundert meist junge Leute. Wir blieben aber nicht allzu lang, der Tag war anstrengend.

 

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